Veröffentlicht am: Mai 25, 2020 Geschrieben von: Ella Comments: 0
Lebensmittelproduktion

Die weltweite Lebensmittelproduktion verursacht rund 25 % des weltweiten Ausstoßes an Treibgasen. Die große Herausforderung für die Zukunft liegt darin die Menge zu reduzieren aber gleichzeitig die Versorgung einer ständig wachsenden Weltbevölkerung sicherzustellen. Forscher aus Wien haben sich diesem Thema angenommen und versucht zu ergründen, wie dieser Spagat gelingen könnte. Die Lösung ist wenig überraschend. Die Menschen müssten grundsätzlich weniger Fleisch und tierische Produkte konsumieren.

520 Szenarien, ein Ergebnis

Die Lebensmittelproduktion ist auf vielfältige Weise für die Treibhausgasemissionen verantwortlich. Zunächst findet immer noch eine umfassende Abholzung der Wälder statt. Dazu kommen die Emissionen, die die Kühe verursachen und die Transporte der Lebensmittel quer über den Planeten. Das alles führt in Summe zu einem Anteil von einem Viertel der weltweiten Emissionen. Um Alternativen aufzuzeigen haben die Forscher, rund um Michaela Theurl und ihre Kollegen vom Institut für Sozialökologie der Universität für Bodenkultur, zahlreiche Szenarien durchgerechnet. Diese 520 verschiedenen Möglichkeiten berücksichtigen die Entwicklung der nächsten 30 Jahre. Die Ergebnisse beweisen das, was Umweltschützer schon seit langem behaupten. Nur durch ein Drehen an den Stellschrauben der tierischen und menschlichen Ernährung kann eine deutliche Reduktion der Treibhausgase erreicht werden.

70 Prozent der Fläche für 17 Prozent der Kalorien

Fleisch

Schließlich benötigt die Produktion von Fleisch und Milchprodukten mehr landwirtschaftliche Fläche als alle anderen Konsumgüter auf der Welt. Die Vereinten Nationen haben errechnet, dass derzeit rund 70 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen für die Viehzucht verwendet werden. Gleichzeitig deckt diese jedoch nur 17 Prozent des Kalorienbedarfs der gesamten Menschheit auf der Erde.

Würde die Nachfrage nach tierischen Produkten sinken, dann würde gleichzeitig auch der Bedarf an Tierfutter zurückgehen. Damit könnte man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Die freigewordenen Flächen würden durch die nachwachsende natürliche Vegetation mehr CO2 als bisher binden und so einen weiteren positiven Effekt auf das Klima haben. Der Verzicht auf den verstärkten Konsum von Fleisch wäre also tatsächlich eine klimafreundliche Ernährung. Die Natur könnte die dadurch zurückgewonnenen Flächen zurückerobern. Die neu wachsenden Wälder würden das CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen. Das würde die Wälder schützen, neue könnten hinzukommen. Der Effekt auf die CO2-Bilanz wäre also allumfassend.

Artgerechte Haltung und Klimaschutz vertragen sich nicht

Im Zuge der Studie kam ein weiterer interessanter Aspekt zum Vorschein. Kraftfutter erwies sich dabei als deutlich klimafreundlicher wie die Fütterung mit Gras. Doch gerade diese ist dem Tier-Wohl einträglicher. Damit befinden sich Tierschützer, die großen Wert auf artgerechte Haltung legen und den Klimaschutz vorantreiben wollen, in einer Zwickmühle. Ein Entkommen darauf gibt es nur, wenn man verstärkt auf den Konsum von Fleisch verzichtet.

Selbst die Forschung an besonders ertragreichen Nutzpflanzen reicht nicht aus, um die Weltbevölkerung klimafreundlicher zu ernähren. Wenn es gelänge, noch höhere Erträge aus der Landwirtschaft zu erzielen, würde man das Ziel einer klimaschonenden Ernährung nicht erreichen. Eine positive CO2-Bilanz kann nur mit einer Reduktion der Flächen einhergehen. Umfangreiche Empfehlungen, wie sich die Menschen daher in Zukunft ernähren sollen, gaben die Wissenschaftler allerdings nicht ab. Es sei jedoch eindeutig erkennbar, dass eine kalorienreiche Ernährung mit einem hohen Anteil von Fleischprodukten am klimaschädlichsten sei.

Unterdessen haben Untersuchungen in Deutschland gezeigt, dass pflanzliche Ersatzprodukte eine deutlich bessere Umweltbilanz aufweisen als Fleisch. So entstehen bei der Produktion eines Soja-Laibchens nur 10 Prozent jener Treibhausgase, die man für die Produktion eines vergleichbaren Steaks benötigt. Doch dem stehen die Interessen eines weltweit agierenden Wirtschaftszweiges gegenüber. Längst handelt es sich bei der Argumentation der Klimaschützer nicht nur mehr um Vermutungen, sondern Fakten. Das Spiel um die Zukunft des Planeten hat bereits begonnen. Ähnlich wie bei einem herausfordernden Spiel kommt es jetzt darauf an den richtigen Zug zum richtigen Zeitpunkt zu setzen. Viel Zeit bleibt dafür allerdings nicht mehr. Auch in der Schweiz ist man der Fragen auf den Grund gegangen.

Die Schweiz denkt nach und plant

Auch in der Schweiz versucht man Antworten auf die Fragen nach einer klimafreundlichen Ernährung zu bekommen. Das schweizerische Nationale Forschungsprogramm „Gesunde Ernährung und nachhaltige Lebensmittelproduktion“ widmete sich diesen Fragen und gelangte zu einer überzeugenden Antwort. Diese lautet ja. Es kann durchaus eine gesunde Ernährung aus nachhaltiger Produktion geben. Die Schweiz versucht nun eine entsprechende Strategie für die Zeit bis zum Jahr 2050 zu entwickeln. Um das Ziel zu erreichen, sind mehrere Aspekte zu berücksichtigen.

Soja

Zunächst gilt es der Nahrungsmittelverschwendung den Kampf anzusagen. Dazu wird es notwendig sein die teilweise ästhetischen Qualitätskriterien anzupassen. Die derzeit gültigen führen zu einem zu hohen Anteil an Nahrungsmittelverlusten. Neue Konservierungsmethoden und intelligente Verpackungen könnten den Konsumenten zukünftig anzeigen, wie der tatsächliche Zustand der Lebensmittel ist.

Die Landwirte sind auch in der Schweiz ein zentraler Player, wenn es um die Reduktion des Fleischkonsums und die entsprechende Bewusstseinsbildung geht. Ein Wandel in der Landwirtschaft könnte helfen die Flächen zu reduzieren. Mit verstärkten Subventionen der Bauernfamilien könnte man die zu erwartenden Verluste begrenzen. Gleichzeitig sollte die heimische Produktion von Gemüse, Obst und Nüssen unterstützt werden. Eine öffentliche Aufwertung der Landwirte als Akteure der öffentlichen Gesundheit könnte den notwendigen Wandel beschleunigen.

Der letzte und wichtigste Baustein bleibt allerdings der Konsument. Er muss diesen Wandel aktiv mittragen. Ohne einer Anpassung der Ernährungsgewohnheiten wird es bei schönen Plänen bleiben. Daher sollte der Konsument über alle notwendigen Informationen verfügen können, um so eine glaubwürdige Grundlage für seine zukünftigen Entscheidungen zu finden. Abschließend möchte die Ernährungsstrategie 2050 die Produktion von gesundheitsförderlichen und nachhaltigen Lebensmitteln verbessern und fördern. Mit diesem umfassenden Maßnahmenpaket erhofft man sich einen Wandel bei den Ernährungsgewohnheiten zu erreichen. Denn eines scheint klar zu sein: Nur so ist eine klimafreundliche Ernährung möglich.